Ein vogelfreundlicher Balkon

Kennt ihr das? Ständig stellt man sich die Frage: Was hat letztes Jahr noch nicht so hingehauen? Wie kann ich alles vielleicht noch besser und sinnvoller gestalten?

Auf meinem kleinen Balkon sind die Möglichkeiten ja begrenzt. Die letzten Jahre hingen beispielsweise der Futterspender und die Meisenknödelhalter unterhalb der Balkonbrüstung. Eigentlich sollten sie für die Wildvögel frei zugänglich oben unterm Balkondach hängen, so dass diese auch ihr Umfeld im Blick haben, gegebenenfalls schnell vor Feinden flüchten können. Gedacht, getan. Im Sommer habe ich drei Futterspender – jeweils unterschiedlich gefüllt – unterm Balkondach an den Bambusstäben angebracht und zur Sicherheit die Futterspender noch mal an den Balkondachträgern festgebunden. Mit Erfolg:

Auffangteller für Futterreste von Futterspendern

Für den Meisenknödelhalter schraubte ich selbst einen Auffangteller für die Futterreste an. Dafür nahm ich einfach einen handelsüblichen Blumtentopf-Untersetzer, eine Astscheibe mit Loch für die Schraube, zwei Unterlegscheiben und eine Mutter:

Beim Beobachten der Wildvögel auf dem Balkon ist mein Eindruck, dass diese den selbst angebrachten farbigen Auffangteller besser annehmen als die durchsichtigen, weil besser erkennbar. Bei den beiden durchsichtigen Futterauffangtellern ist es eher wie mit Glasscheiben, sie sind kaum als Flächen/Gegenstände wahrnehmbar, obwohl einer der beiden eine milchige Grundfläche hat. Der dritte, komplett durchsichtige Auffangteller wird kaum angeflogen. Ich habe nun flächig Futter auf diesem ausgestreut, so dass er als Landefläche hoffentlich besser erkennbar ist.

Die Abdeckungen der Futtersilos schließe ich nicht komplett, da sich bei direkter Sonneneinstrahlung schnell Kondenswasser innen bildet, was zu Schimmelbildung führen kann. Mit leicht geöffnetem „Dach“ ist für eine bessere Belüftung gesorgt.

Vogelfutterhäuschen

Das Futterhäuschen hat seinen Platz an der Balkonbrüstung behalten. Ich kann es wahlweise oberhalb der Brüstung anbringen oder bei Sturm und Regen etwas tiefer und damit geschützter hängen. Da die Wildvögel häufig in den vertrockneten Stängeln in den Blumenkästen und Blumenkübeln landen oder auf der Balkonbrüstung, wird das Futterhäuschen weiterhin gut angenommen.

Am begehrtesten sind kleingehackte Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse und Erdnüsse), wo teils tägliche Nachfüllung von den Meisen eingefordert wird 😉

Schlafplätze für Meisen

Wie die Jahre zuvor nutzen die Meisen die Nistkästen in den kälteren Nächten wieder als Schlafplätze. Nachts höre ich es gut, wenn ich kurz auf dem Balkon bin und es in den Kästen raschelt, sich der Schlafgast mal kratzt oder sein Gefieder schüttelt.

Seit kurzem gibt es noch einen neuen Schlafplatz, was ich zunächst gar nicht glauben konnte: Letztens beobachtete ich, dass abends eine Meise in das Regenablaufrohr vom Balkondach kroch und nicht mehr rauskam. Zuerst war ich voller Panik und dachte, sie hat sich vielleicht im Rohr verfangen. Andererseits kriechen die Meisen da tagsüber, vor allem nach Regen, öfter mal rein vermutlich zum Trinken. Dann bekam ich morgens mehrmals mit, dass sich bei Sonnenaufgang im Rohr etwas regte, die Krallen im Rohr kratzen und kurze Zeit später die Meise ausfliegt. Das Regenablaufrohr, wohl der obere Teil zur kleinen Dachrinne, ist tatsächlich Nachtquartier! Unglaublich!

Nachtrag 29.11.2020: Heute morgen konnte ich sehen, dass es eine Kohlmeise ist, die im Regenablaufrohr nächtigt:

Heute kam sie erst 7.20 Uhr aus dem Rohr. Die anderen Tage war es der Foto-Aufnahmezeit nach 7.10/7.11 Uhr. Aber sonntags darf man auch mal länger schlafen, gell 😉

Zaungäste

Dieser Tage gab es noch einige Zuschauer auf den Bäumen neben/vor dem Balkon:

4 Gedanken zu „Ein vogelfreundlicher Balkon“

  1. Hallo liebe Vogelfreundin,
    mich hat Ihr Kommentar zur durchsichtigen Futterreste-Auffangschale sehr interessiert. Ich habe auch so eine durchsichtige Schale, die gut an die Säule für Losefutterpasst (von Vivara).
    Nun habe ich mir überlegt, die Unterseite dieser Schale mit Lack zu besprühen, damit sie besser gesehen werden kann.
    Da die Vögel so nicht mit dem Lack in Berührung kommen, müsste das doch möglich sein, oder?

    Bitte teilen Sie mir Ihre Meinung dazu mit.

    In Zukunft werde ich Ihr Auffangschalen-Modell benutzen. Ganz tolle Idee von Ihnen und so einfach. Aber die besten Ideen sind ja immer einfach!
    Vielen Dank dafür!

    Herzliche Grüße
    von
    Felina

  2. Hallo liebe Felina,

    selbst würde ich nicht auf Lack zurückgreifen. Ob er auf der glatten Oberfläche überhaupt haftet, weiß ich gar nicht. Vielleicht gibt es eine einfache Lösung natürlicher Art, z. B. abgerundete Steine auf dem Tellerrand, also dieser Auffangschale, zu verteilen oder kleinere Äste als Landeplatz nahe der Futterauffangschale anzubringen. Diese Varianten wollte ich für mich ausprobieren, wenn ich die Futtersäulen wieder aufhänge.

    Aktuell habe ich die Fütterung auf meinem Balkon eingestellt und werde erst ca. August wieder damit beginnen. Derzeit sollte es ausreichend natürliches Futter um unser Haus für die Wildvögel geben. Die Bäume und auch die neu gepflanzten heimischen Wildgehölze haben alle gut ausgetrieben. Die Grünflächen wurden dieses Jahr noch nicht gemäht, bis auf eine kleinere Fläche um den Wäscheplatz. Auf den beiden Beeten am Haus blühen die ersten Wildstauden. So gibt es hoffentlich nach und nach wieder mehr Insekten, heimische Sämereien und Früchte und damit natürliches Nahrungsangebot.

    Füttern Sie Wildvögel auf dem Balkon oder haben Sie einen eigenen Garten?

    Herzliche Grüße aus Jena
    Christina

  3. Hallo , hier Peter .
    Seit Jahren auch mein Credo .Wir müssen einfach wieder mehr wilde Natur schaffen .Jeder Quadratmeter unberührte Naturfläche fördert die Diversität der Pflanzen und Tierwelt .
    Wenn jeder Landwirt , jede Gemeinde ein Stück unbearbeitetes Stück Land zulässt , wäre schon sehr viel erreicht !
    Ideal der Vorschlag : 1 Tausendstel einer Ackerfläche soll frei gelassen werden. Das dürfte nicht zuviel verlangt sein . Beispiel ; ein Feld mit 500000 tausend qm opfert 500 qm für die wilde Naturentfaltung . Schreibt an die Politiker .Macht weiter Reklame für die w.natur !!

  4. Hallo Peter,
    … und zudem die vielen Exoten wie Kirschlorbeer, Forsythie, Thuja durch heimische, ökologisch wertvolle Wildgehölze ersetzt würden, wäre im Siedlungsraum mehr erreicht zur Förderung der Artenvielfalt. Es gibt noch viel Potenzial für mehr wilde Natur.
    Viele liebe Grüße
    Christina

Schreibe einen Kommentar