Lernen von und mit den Profis: Mitmach-Baustelle naturnahe Umgestaltung Ortskern Köttendorf mit Jeannette Kebernik

Ende April starteten die Mitmachtage zur Umgestaltung des Ortskerns Köttendorf in einen NaturErlebnisRaum. Wunderbare Planerin, Organisatorin, Koordinatorin und Anleiterin war Jeannette Kebernik, Naturnahe Freiraumplanung Kiliansroda. Der immer so liebevoll formulierte Aufruf zur Mitmach-Baustelle ging per Ortskernpost an Bürger aus Köttendorf und Umgebung, die Regiogruppe Thüringen des NaturGarten e.V. und externe Helfer der Naturgarten-Akademie.

Das Projekt neuer Ortskern Köttendorf

Mitten in Köttendorf liegt eine ca. 1.400 qm große Fläche, die mit LPG-Garagen und -Gebäuden bebaut war, welche 2020 abgerissen wurden. So lag die Fläche brach. Angrenzend wurden einige neue Einfamilienhäuser gebaut. Mit Benutzerbeteiligung, also Einbeziehung der Köttendorfer in Planung, Bau und Pflege, sollte aus der Brachfläche „ihr Ortskern“ werden, eine Beziehung zum Ortskern entstehen. Wünsche an den Ortskern waren: naturnah, pflegeleicht, klimafest, Regenwasser, Dorfplatz, Spielen, Erholung, Naturerlebnis, Miteinander.

So war die Ausgangslage am 28.04.2023:

In Teamwork entstehen neue Natur- & Lebens-Räume

Während der Mitmach-Tage an mehreren Wochenenden von Ende April bis Ende Oktober gab es für die Köttendorfer und uns externe Helfer und Praktikanten viel zu tun und zu lernen:

  • Einarbeitung in Ausführungsplan
  • Auswahl, Transport und Reinigen der Kalksteine
  • niedrige ungebundene Trockenmauer am Burgberghügel bauen, die zum Überlaufen geeignet ist, und auf dem Plateau eine Einfassung aus Kalksteinen setzen inkl. leichter Bearbeitung der Kalksteine mit Fäustel für bessere Passung
  • Fallschutz rechts und links neben der Rutsche aus Robinienstämmen einbauen
  • Ausbau der Sickermulde mit Kalksteinen, Sand, Gütekompost – Aussaat, Andrücken, Bepflanzung u. a. mit Iris spuria
  • Vorbereitung der Wege und Plätze für Ansaat Blumenschotterrasen, Magerwiese und wärmeliebenden Saum durch Aufbringen und Einarbeiten von gütegesichertem Kompost
  • Einarbeitung in Pflanzplan mit klimafesten Aussaaten, Gehölzen und Stauden
  • Herstellen Feinplanum magerer Pflanzflächen (Mineralgemisch Kalkstein)
  • Aussaat magere Pflanzflächen und Wässern
  • Sichtung der Gehölze, Stauden und Gräser noch im Topf, seitlich gelagert, Reinigen von Unkraut, Wässern
  • Gehölz-, Stauden- und Gräserpflanzung in magere Pflanzflächen mit Gütekompost inkl. Pflanzlöcher ausheben, Gießrand anlegen, Bodenaktivator einbringen, Wässern
  • Bau einer kreativen ungebundenen Pflanzflächen-Einfassung aus gebrauchten Beton- und Klinkerpflastersteinen
  • Setzen von Holzpflöcken mit Seil als Einfassung für nicht begehbare Pflanzflächen (Burghügel, Blütenhügel, Magerwiese)
  • Pflege der Flächen (unerwünschte Pflanzen bestimmen und entfernen)
  • Stecken von Frühblüherzwiebeln
  • Aufräumen der Baustelle

weiterhin:

  • Mini-Lebensräume anlegen (Totholz, Steinhaufen, Schnittguthaufen, Solitärsteine)
  • Bau Eidechsenburg mit frostfreier Überwinterungs-Erdhöhle und Sandfläche für Eiablage
  • vorhandene alte Wurzeln und Totholz-Stämme als Lebensraum einbauen
  • Spaltengärtchen als Mini-Biotop an der Eidechsenburg aus Uwes alten Dachziegeln anlegen
  • kreative Muster für Bohrlöcher 2-10 mm für Wildbienenstämme Robinie anzeichnen, bohren und schleifen der Bohrlöcher.

Selbst absolvierte ich ehrenamtlich 14 Praktikumstage auf dieser Mitmach-Baustelle und war zwei weitere Tage in der Ferienpause vor Ort zum Dokumentieren des Standes unseren Ansaaten und Pflanzungen sowie der Blütenbesucher. Köttendorf war dieses Jahr für mich sowas wie eine zweite Heimat.

Fotos: Jeannette Kebernik

14. September 2023 – Tag der Färberkamille 😊

Ihr seht nur noch gelb!? So ging es mir am 14. September. Sonne und Färberkamille strahlten um die Wette. Die Färberkamille hatte IHRE Blüh-Hoch-Zeit, nur ca. vier Monate nach Aussaat der Mischung Wärmeliebender Saum von Rieger-Hofmann GmbH auf dem Blütenhügel. Ein Blütenkorb (erstes Foto) strahlte wie ein lachender Smiley. Auch viele Insekten fanden die Blütenkörbe seeeehr anziehend:

Vor lauter Rumschauen und Entdecken und Zeit und Raum vergessend war ich Jeannette nach einiger Zeit dann keine wirkliche Hilfe mehr … Einerseits hatte ich voll das schlechte Gewissen. Andererseits war es doch so spannend, wie schnell sich im schon blühenden Ortskernbereich so vielfältiges Leben einstellt.

Der neue naturnahe Ortskern

Bis Ende Oktober lief noch der Bau der an den Ortskern angrenzenden Straße, so dass bis zum Ende Bauzäune standen. Unser neu gestalteter Ortskern selbst sah am letzten Mitmach-Tag, dem 21. Oktober, so aus:

Ein Weg schlängelt sich als Entdeckerpfad durch den neuen Ortskern, vorbei an verschiedensten Totholzelementen, einer Magerwiese, einer Eidechsenburg, dem Blütenhügel, dem Spaltengärtchen, Naschobst-Sträuchern, der Regenwassermulde, Wildbienennisthilfen. Bänke und eine Sitzraufe laden zum Verweilen ein, Hüpfsteine, Stämme-Mikado, Sandbaustelle zum Bespielen. Für kleine und große Kinder gibt es eine Rutsche und Tischtennisplatte. Ein Platz für eine Feuerschale kann für gemeinsame Treffen genutzt werden. Ein wunderbarer neuer Gemeinschafts- und Lebens-Raum ist im Köttendorfer Ortskern entstanden.

Mein größter Respekt gilt Jeannette, da ich es als enorme Herausforderung empfand, uns mal mehr, mal weniger Mitmacher zu koordinieren, anzuleiten, Arbeitsschutz im Blick zu haben und zwischendurch stets ein offenes Ohr für unsere ständigen (Rück-)Fragen zu haben. Am ersten Wochenende 28./29. April waren wir immerhin über 20 Mitmacher inkl. Kindern aus Köttendorf.

… und zum Schluss:

Fantastisch ist, dass der Köttendorfer Verein bis zum Ende unserer Mitmach-Tage auf 30 Mitglieder angewachsen ist (Köttendorf hat ca. 70 Einwohner). Mitte Oktober war Vorstandswahl mit dem Ergebnis, dass sich dieser nun verjüngt hat. Ich wünsche den Köttendorfern von Herzen, dass diese Entwicklung beständig ist. Es war mit den Einwohnern über die ganzen Monate ein wunderbares Zusammenwirken und Zusammensein (die leckeren selbstgebackenen Kuchen zur nachmittäglichen Kaffeerunde nicht zu vergessen 🙂

So eine Mitmach-Baustelle ist eine geniale Sache: viel Teamwork, hier lauter tolle Menschen aus nah und fern (u. a. auch vom NABU-Bundesverband Berlin und der Stiftung Naturschutz Thüringen), vielfältiger Wissensaustausch und praktisches Lernen, Lernen, Lernen.

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