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Lernen von und mit den Profis: Mitmach-Baustelle naturnahe Umgestaltung Ortskern Köttendorf mit Jeannette Kebernik

Ende April 2023 starteten die Mitmach-Tage zur Umgestaltung des Ortskerns Köttendorf in einen NaturErlebnisRaum. Köttendorf gehört zur Gemeinde Mellingen im Weimarer Land. Wunderbare Planerin, Organisatorin, Koordinatorin und Anleiterin war Jeannette Kebernik, Naturnahe Freiraumplanung Kiliansroda. Der immer liebevoll formulierte Aufruf zur Mitmach-Baustelle ging per Ortskernpost an Bürger aus Köttendorf und Umgebung, die Regiogruppe Thüringen des NaturGarten e.V. und externe Helfer der Naturgarten-Akademie.

Das Projekt neuer Ortskern Köttendorf

Mitten in Köttendorf liegt eine ca. 1.400 qm große Fläche, die mit LPG-Garagen und -Gebäuden bebaut war, welche 2020 abgerissen wurden. So lag die Fläche brach. Angrenzend wurden einige neue Einfamilienhäuser gebaut. Mit Benutzerbeteiligung, also Einbeziehung der Köttendorfer in Planung, Bau und Pflege, sollte aus der Brachfläche „ihr Ortskern“ werden, eine Beziehung zum Ortskern entstehen. Wünsche an den Ortskern waren: naturnah, pflegeleicht, klimafest, Regenwasser, Dorfplatz, Spielen, Erholung, Naturerlebnis, Miteinander.

So war die Ausgangslage für uns zum Start der Mitmach-Baustelle naturnaher Ortskern Köttendorf:

In Teamarbeit entstehen neue Lebens-Räume

Während der Mitmach-Tage an mehreren Wochenenden von Ende April bis Ende Oktober gab es für die Köttendorfer und uns externe Helfer und Praktikanten viel zu tun und zu lernen:

  • Einarbeitung in Ausführungsplan
  • Auswahl, Transport und Reinigen der Kalksteine
  • niedrige ungebundene Trockenmauer am Burgberghügel bauen, die zum Überlaufen geeignet ist, und auf dem Plateau eine Einfassung aus Kalksteinen setzen inkl. leichter Bearbeitung der Kalksteine mit Fäustel für bessere Passung
  • Fallschutz rechts und links neben der Rutsche aus Robinienstämmen einbauen
  • Mini-Lebensräume anlegen (Totholz, Steinhaufen, Schnittguthaufen, Solitärsteine)
  • Bau Eidechsenburg mit frostfreier Überwinterungs-Erdhöhle und Sandfläche für Eiablage
  • Ausbau der Sickermulde mit Kalksteinen, Sand, Gütekompost – Aussaat, Andrücken, Bepflanzung u. a. mit Iris spuria
  • Vorbereitung der Wege und Plätze für Ansaat Blumenschotterrasen, Magerwiese und wärmeliebenden Saum durch Aufbringen und Einarbeiten von gütegesichertem Kompost
  • Einarbeitung in Pflanzplan mit klimafesten Aussaaten, Gehölzen und Stauden
  • Herstellen Feinplanum magerer Pflanzflächen (Mineralgemisch Kalkstein)
  • Ausbringen und Einarbeiten Gütekompost in magere Pflanzflächen
  • Aussaat magere Pflanzflächen und Wässern
  • Sichtung der Gehölze, Stauden und Gräser noch im Topf, seitlich gelagert, Reinigen von Unkraut, Wässern
  • Gehölz-, Stauden- und Gräserpflanzung in magere Pflanzflächen mit Gütekompost inkl. Pflanzlöcher ausheben, Gießrand anlegen, Bodenaktivator einbringen, Wässern
  • vorhandene alte Wurzeln und Totholz-Stämme als Lebensraum einbauen
  • Bau einer kreativen ungebundenen Pflanzflächen-Einfassung aus gebrauchten Beton- und Klinkerpflastersteinen
  • Spaltengärtchen als Mini-Biotop an der Eidechsenburg aus Uwes alten Dachziegeln anlegen
  • kreative Muster für Bohrlöcher 2-10 mm für Wildbienenstämme Robinie anzeichnen, bohren und schleifen der Bohrlöcher
  • Setzen von Holzpflöcken mit Seil als Einfassung für nicht begehbare Pflanzflächen (Burghügel, Blütenhügel, Magerwiese)
  • Pflege der Flächen (unerwünschte Pflanzen bestimmen und entfernen)
  • Stecken von Frühblüherzwiebeln
  • Aufräumen der Baustelle

 

 

 

Selbst absolvierte ich 14 Praktikumstage auf dieser Mitmach-Baustelle und war an zwei weiteren Tagen in der Ferienpause vor Ort zum Dokumentieren des Standes unseren Ansaaten und Pflanzungen sowie der Blütenbesucher.

Ein naturnaher Ortskern ist entstanden

Ein Weg schlängelt sich als Entdeckerpfad durch den neuen Ortskern, vorbei an verschiedensten Totholzelementen, einer Magerwiese, einer Eidechsenburg, dem Blütenhügel, dem Spaltengärtchen, Naschobst-Sträuchern, der Regenwassermulde, Wildbienennisthilfen. Bänke und eine Sitzraufe laden zum Verweilen ein, Hüpfsteine, Stämme-Mikado, Sandbaustelle zum Bespielen. Für kleine und große Kinder gibt es eine Rutsche und Tischtennisplatte. Ein Platz für eine Feuerschale kann für gemeinsame Treffen genutzt werden. Ein wunderbarer neuer Gemeinschafts- und Lebens-Raum ist im Köttendorfer Ortskern entstanden.

Mein größter Respekt gilt Jeannette, da ich es als enorme Herausforderung empfand, uns mal mehr, mal weniger Mitmacher zu koordinieren, anzuleiten, Arbeitsschutz im Blick zu haben und zwischendurch stets ein offenes Ohr für unsere ständigen (Rück-)Fragen zu haben. Am ersten Wochenende 28./29. April waren wir immerhin über 20 Mitmacher inkl. Kindern aus Köttendorf.

 

Seid ihr neugierig auf unseren neu gestalteten NaturErlebnisRaum? Unternehmt doch mal einen Ausflug nach Köttendorf und schaut euch den neuen, für jeden frei zugänglichen naturnahen Ortskern an. Schreibt mir gern, wie er euch gefällt.

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